Wann ist ein Wiki ein Wiki?

“Schnelle Wiki-Software für Unternehmen, Agenturen und Freiberufler” ist in der Pressemeldung zum “Telepark Wiki” zu lesen, Telepark Wiki - editieren“telepark, [...], präsentiert eine neuartige Wiki-Software, die zum ersten Mal mit einem interaktiven, hierarchischen Menüsystem auf Basis von AJAX Web-Technologien arbeitet.”

Natürlich habe ich mir das sogenannte Wiki mal etwas näher angesehen. Es gibt eine Demo an der jeder mal rumspielen darf. Auf den den ersten Blick schön und aufgeräumt. Ein Edit-Button am oberen Rand der Seite mit dem sich der Inhalt in einem WYSIWYG-Editor (FCK-Editor) bearbeiten lässt. Auf den zweiten Blick erkennt man ein sehr simples Content-Management-System (CMS) mit Inline-Editing, ohne Zugangsbeschränkung*. Aber was macht den bitte das Wiki aus?

Nun gut, jeder kann Seiten Editieren, – die wichtigste Wiki-Funktion ist vorhanden. Und weiter? Jeder kann Seiten löschen. In der kostenlosen Version scheinbar jeder ohne Einschränkung. Funktioniert gut, einfach rechte Maustaste im Seitenbaum und löschen. Weiter kann man interne und externe Seiten verlinken – recht einfach und ganz gut gemacht über einen Dialog im WYSIWYG-Editor. Nein, Links können nicht direkt im Inhalt und auch nur zu schon vorhandenen Seiten erstellt werden. Neue Seiten werden ebenfalls in der Navigation mit rechter Maustaste angelegt.

Wichtige Wiki-Funktionen vermisst

Ich würde es bis hier als einen digitalen Notizblock, ein simples offenes CMS bezeichnen. Für wirkliche Wiki-Funktionalität fehlen meiner Meinung nach die sehr wichtige Rollback Funktion der Seiten. Selbst in der Pro-Version scheinen mir alle Änderungen zwar passwortgeschützt aber anonym gemacht zu werden. Die letzten Änderungen können weder zurückgesetzt, noch verglichen oder verfolgt werden(außer durch Email in der Pro-Version). Dies ist eine absolut elementare Funktion eines Wikis gerade wenn gemeinschaftlich gearbeitet wird.

Weitere wünschenswerte Funktionen wären z.B. eine Seite auf der aktuelle Änderungen angezeigt werden, Wiki-Syntax für Poweruser, ein RSS-Feed um Änderungen anzuzeigen, Unterstützung für Dateien. Außerdem ist es am Demo-Wiki nicht möglich eine URL zu einer Seite im Browser zu sehen. Dadurch kann z.B. kein direkter Link an andere weiter gegeben werden.

“Telepark Wiki” ist an der richtigen Stelle sicherlich ein gutes Tool um auf einfache Art allein oder in einer kleinen Gruppe Seiten zu erstellen und zu bearbeiten. Für die interne Doku eines Unternehmens mit wenigen Mitarbeitern ist es vielleicht sogar eine gute Wahl. Mit einem ausgewachsenen Wiki sollte man es bisher wohl noch nicht verwechseln. Wer viele Nutzer in einem Wiki hat, wird erfahrungsgemäß die genannten Funktionen benötigen. Bevor man die 99,- EUR für eine Professional Edition ausgibt sollte man sich genau überlegen ob man nicht mit einem der vielen Opensource Wikis weiter kommt. Inzwischen gibt es einige die ebenfalls einen guten Editor integriert haben.

*Die erweiterte Pro-Version gibt es für 99,- EUR + MwSt. Die wenigen Ergänzungen dadurch sind

  • Volltextsuche
  • automatische Benachrichtigungsfunktion bei Änderungen
  • geschützte Seiten
  • Bearbeitungssperre