Ushahidi.com – Ein klein wenig Technik

„Für uns erschien es die einfachste Möglichkeit etwas zu tun, für sie [die humanitären Hilfsorganisationen] war es revolutionär“ erklärt Erik Hersman in seinem Interview zu Ushahidi.

To us, the system was rudimentary, but it worked. To outsiders, especially those in the humanitarian field, it was the first time they had really seen a technology tool used to bypass the establishment and go directly to ordinary people on the ground to get information. It seemed like the only thing to do to us, but it was revolutionary to them.

Ushahidi.com ist ein „GoogleMaps-Mobilfunk-Mashup“ – quasi eine Plattform die während der Krise in Kenya (Post Election Violence) spontan entstand, um der Bevölkerung mit einer einfachen SMS die Unruhen direkt veröffentlichen und dokumentieren zu können, ohne an irgendwelche Behörden gebunden zu sein (Hier habe ich darüber geschrieben). Ein klein wenig Technik, etwas rumgespielt mit vorhandenen Tools im Internet – eigentlich nichts besonderes für Geeks und Digital Natives. Und doch, für viele eine völlig neue Idee.Die Software wurde inzwischen als Opensource veröffentlicht und kann für ähnliche Projekte von jedem eingesetzt werden. Sehr spannend finde ich den Einsatz von Ushahidi vom arabischen Nachrichtensender Al Jazeera um den Gaza-Konflikt zu monitoren und das Monitoring der Wahlen in Indien.

Mich wundert es immer wieder wie groß selbst in unserer „modernen europäischen Gesellschaft“ der Digital divide ist – unabhängig einer offensichtlichen Kluft durch soziale Faktoren – den Zugang zum Internet, fehlender Breitbandzugang, Geschlecht oder Alter.

Über Cedric Weber

Ich schreibe seit Mai 2003 zu Themen rund um das Web2.0, Enterprise2.0, Social Software, Wikis, Weblogs, online Kollaboration, Instant Messaging, sowie Linux / Ubuntu und Apple. Dazwischen findest du Themen aus meinem Alltag - über Glaube und Spiritualität, Fotografie, Musik und vieles andere.

6 Gedanken zu „Ushahidi.com – Ein klein wenig Technik

  1. Danke für den Hinweis. Die beiden Beispiele – Gaza und Indien – sind klasse, macht Spaß sich damit einen Überblick über die Situation zu verschaffen.

    Über was genau wunderst du dich übrigens unter dem Stichwort Digital Devide genau? Ich nutze die meisten der schönen Tools auch gern, die wir als Social Media bezeichnen, aber aufbauen könnte ich sowas nicht. Wunderst du dich über mangelnde Medienkompetenz oder mangelnde Technikkompetenz?

    Ich hätte übrigens gerade gern den Chat ausprobiert ;-)

    Viele Grüße aus München

  2. Hallo Ludwig, bzgl. dem Chat – ich war wohl gerade nicht am Rechner, schade. Ich wundere mich wirklich über mangelnde Medienkompetenz, zumindest wenn man mE über die kleine Gruppe der einschlägigen Web20-Freaks ausklammert. Eine weitere Gruppe traut sich noch bis in die Facebook oder StudiVZ Welt hinein. Aber vielleicht habe ich auch zu hohe Erwartungen an meinen Freundeskreis ;-).

  3. Der Unterschied zwischen Ushahidi und anderen Google Maps Mashups ist der, dass die meisten Maps Mashups nur am Rechner verwendet werden können und damit nur eine bestimmte Zielgruppe erreichen. Ohne die SMS Integration wäre Ushahidi nur eines von vielen.

    Ushahidi war seinerzeit nur eine Notlösung, die sich aber danach zu viel mehr entwickelt hat. Momentan sind sie ja schon bei der Filterung der eingehenden Daten nach Brauchbarkeit und Relevanz. So wirklich interessant wird es imho aber erst, wenn man diese Daten danach zur Konfliktaufarbeitung verwenden kann.

    Digital Divide: ich glaube es ist eine Frage der Bequemlichkeit. Wenn ich meine Fernsehkarte unter Ubuntu auch nicht zum Laufen bekomme, wechsel ich auch zu WinXP. Ähnlich ist das mit anderen technischen Spielzeugen – zB iPhone. Apps fürs Handy gab es ja schon vorher (Symbian Applikationen für S60 Nokia Handys), nur wurden diese erst durch Apple’s iPhone populär. Oder Facebook: soziale Netzwerke gab es auch schon vorher, aber setidem Facebook aufgestockt und all diese Service integriert hat, nutzen es die Leute viel mehr. Für mich ist es daher weniger eine Frage der Technikkompetenz, als vielmehr der Bequemlichkeit. Ich will auch nur Dienste nutzen, die sich von selbst erklären und mir die Möglichkeit zur Interaktion bieten.

  4. @jke zum Digital Divide: Vielleicht ist es wirklich einfach ein Usability ding und vor allem die fehlende Integration in die täglichen Tools. Solange moderne Kommunikationstools (Web2.0) nicht in den Fernseher und in das 1 EUR Handy eingebaut sind, werden es viele nicht nutzen. Außerdem sehen viele den Sinn nicht, weil sich der Nutzen und Vorteil erst im Laufe der Zeit erschließt.

    Hier eine aus „Geek-Sicht“ witzige E-Mail die ich aufgrund meiner Frage nach Skype bekommen habe:

    Skype: seh da für mich keinen besonderen Vorteil, das würde nur die Anzahl der Tools/Accounts/Zugänge etc. um eins erhöhen. Und ich hab ja schon Tools zum
    a) Telefonieren
    b) Surfen
    c) Mailen
    d) Menschen persönlich treffen
    
    --> Keep life simple !
    
  5. Oh ja, solche e-mails/Reaktionen kenne ich auch. Schrecklich!

    Vor allem will ja scheinbar niemand richtig erkennen, dass es in spätestens 2 Jahren eben diese Statusupdates von Facebook, Twitter, Skype, usw. als Info aufm StandbyScreen vom Handy geben wird. Dann wird das was jetzt noch aus Unkenntnis als Geekism belächelt wird, von den Menschen hoffentlich als viel selbstständlicher hingenommen als es heute der Fall ist.

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